4 Grad plus

  • Die optimale Temperatur, um Leichen aufzubewahren, liegt bei 4 Grad plus. Im übertragenen Sinne befindet sich auch unsere Trauerkultur auf dieser Temperatur. Der Tod und die damit verbundene Trauerkultur ist eines der großen Tabus unserer Gesellschaft. Durch die Tabuisierung des Todes verschwinden mehr und mehr seine Symbolik und Riten, welche zur Dekoration verkommen. Die Architektur und Ausstattung der Räume spiegeln eine Sprachlosigkeit und Unbeholfenheit wider, die eine Anteilnahme der Trauer behindern.

    Mit meinen Fotos versuchte ich im Grunde etwas Unsichtbares zu fotografieren – die Existenz des Todes. Damit ergab sich eine Widersprüchlichkeit für das Medium Fotografie. Wie soll etwas visualisiert werden, das nicht anwesend ist?

    Ich fotografierte  die Räume, Portraits und Leichen getrennt voneinander. Mir erscheint, dass diese drei Bereiche nicht zueinander finden können, sondern parallel zueinander stehen. Die Räume suchte ich an Orten, die vom Tod geprägt sind – oder es sein sollten – wie Trauerhallen, Krematorien, Bestattungsunternehmen, Friedhöfe, rechtsmedizinische Institute und die Sargindustrie. Die Portraits beschäftigen sich mit Menschen, an die diese Trauerkultur delegiert wird, wie Geistliche, Bestatter und Rechtsmediziner.